Umgang mit Geschwistern behinderter Kinder

Der Geschwisterbindung kommt eine besondere Bedeutung zu, da diese Bindung für das ganze Leben besteht. Geschwister von behinderten Kindern haben ebenfalls Anteil an der Behinderung. Dies äußert sich in verschiedenen Aspekten, die berücksichtigt werden sollten:


  1. Diese Geschwister von behinderten Kindern glauben häufig, dass sich ihre Eltern Sorgen wegen des behinderten Kindes machen. Die Eltern sprechen selten darüber mit ihren Kindern. Diese wünschen sich Offenheit von den Eltern und dass sie in deren Überlegungen wenigstens teilweise miteinbezogen werden.


  2. Aufklärung der "Geschwisterkinder" verhindert unnötige Sorgen und Ängste.


  3. Sie wollen, dass man mit ihnen offen über die Behinderung, die Zukunft ihrer Geschwister und über Einschränkungen und Vorteile spricht.


  4. Sie sollten nicht von den Eltern geschützt werden, sondern an familiären Entscheidungen teilhaben. Tabus wirken entgegengesetzt.


  5. "Geschwisterkinder" sind gerne bereit, Rücksicht zu nehmen und mitzuhelfen und sich selbst zurückzunehmen. Allerdings nicht immer und pausenlos. Eigene Wünsche sollten anerkannt werden und auch einen Platz haben. Auch das Ablehnen von Hilfe muss möglich sein.


  6. Sie brauchen einen Rahmen, in dem sie über ihre besondere Situation sprechen können. Mit den Eltern, aber auch mit Außenstehenden, wobei sie das Gefühl brauchen, verstanden zu werden.


  7. Sie brauchen, wie andere Kinder auch, Raum für eigene Spiele, Ideen, Freunde und Zeit für sich selbst.


  8. Die "Geschwisterkinder" spüren es, wenn die Eltern überlastet sind oder wenn die Partnerschaft gefährdet ist. Dadurch können sich, vor allem in Zusammenhang mit anderen Belastungen, Störungen entwickeln. Typisch hierfür sind Bettnässen, Schulprobleme, Einschlafschwierigkeiten, Konzentrationsstörungen u.a.. Erziehungsberatung und Beratung bei und vor der Trennung und Scheidung sind wichtige Hilfen.


  9. Die "Geschwisterkinder" sind oft gut in der Lage, die Behinderung anderen Kindern (z.B. Mitschülern) zu erklären. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, und die Kinder erleben Spöttelei, Demütigung und Ausgrenzung. Die Kinder brauchen Gelegenheit, darüber zu sprechen.


Eberhard Grünzinger, Familienberatung des VdK Landesverbandes Bayern e.V., Mai 1998


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