Umgang mit Geschwistern behinderter Kinder
Der Geschwisterbindung kommt eine besondere Bedeutung zu, da diese Bindung für das ganze Leben besteht.
Geschwister von behinderten Kindern haben ebenfalls Anteil an der Behinderung. Dies äußert sich in
verschiedenen Aspekten, die berücksichtigt werden sollten:
- Diese Geschwister von behinderten Kindern glauben häufig, dass sich ihre Eltern Sorgen wegen des
behinderten Kindes machen. Die Eltern sprechen selten darüber mit ihren Kindern. Diese wünschen sich
Offenheit von den Eltern und dass sie in deren Überlegungen wenigstens teilweise miteinbezogen
werden.
- Aufklärung der "Geschwisterkinder" verhindert unnötige Sorgen und Ängste.
- Sie wollen, dass man mit ihnen offen über die Behinderung, die Zukunft ihrer Geschwister und über
Einschränkungen und Vorteile spricht.
- Sie sollten nicht von den Eltern geschützt werden, sondern an familiären Entscheidungen teilhaben. Tabus
wirken entgegengesetzt.
- "Geschwisterkinder" sind gerne bereit, Rücksicht zu nehmen und mitzuhelfen und sich selbst
zurückzunehmen. Allerdings nicht immer und pausenlos. Eigene Wünsche sollten anerkannt werden und auch
einen Platz haben. Auch das Ablehnen von Hilfe muss möglich sein.
- Sie brauchen einen Rahmen, in dem sie über ihre besondere Situation sprechen können. Mit den Eltern,
aber auch mit Außenstehenden, wobei sie das Gefühl brauchen, verstanden zu werden.
- Sie brauchen, wie andere Kinder auch, Raum für eigene Spiele, Ideen, Freunde und Zeit für sich selbst.
- Die "Geschwisterkinder" spüren es, wenn die Eltern überlastet sind oder wenn die Partnerschaft gefährdet
ist. Dadurch können sich, vor allem in Zusammenhang mit anderen Belastungen, Störungen entwickeln. Typisch
hierfür sind Bettnässen, Schulprobleme, Einschlafschwierigkeiten, Konzentrationsstörungen u.a..
Erziehungsberatung und Beratung bei und vor der Trennung und Scheidung sind wichtige Hilfen.
- Die "Geschwisterkinder" sind oft gut in der Lage, die Behinderung anderen Kindern (z.B. Mitschülern)
zu erklären. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, und die Kinder erleben Spöttelei, Demütigung und Ausgrenzung.
Die Kinder brauchen Gelegenheit, darüber zu sprechen.
Eberhard Grünzinger, Familienberatung des VdK Landesverbandes Bayern e.V., Mai 1998
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